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Die Entstehung der Bäckerei Kornprobst geht bis in die Zeit des Hilgertshausener Schlosses zurück. Um das Schloss zu Hilgertshausen waren neben dem Schafstall, dem Heissen (Pferdestall), dem Jäger auch die Handwerker wie Schäffler, Wagner, Kramer, Schmid, der Weber, Rossmetzger, Ziegelstadl, Hafner, Soller, Schuster und der Beck angesiedelt.

Der Name Beck blieb bis in die heutige Zeit unser Hausname.

Die Zeit um 1820 war der Untergang der Schlossherren und die Aufteilung des Grundes an die Bauern. Auf dem Land, so auch in Hilgertshausen, war neben der Bäckerei ein grösserer Hof mit Landwirtschaft zu betreiben.

Das Sortiment richtete sich nach der anspruchslosen - aufs mindeste beschränkte - Kundschaft. Die Mehrzahl der Ortsansässigen waren Bauern, Häusler und Handwerker. Viele hatten selbst einen Backofen. Das Brot wurde für 2-3 Wochen vorgebacken. Semmel, Salzspitz, Brezen später Eiweckerl, Zöpfe, Osterfladen vom Bäcker Kornprobst waren ein Highlight, etwas besonderes. Viele Familien brachten das Brot im Schubkarren zum backen im Bäckerofen.

Sonntags war Kirchgang und Wirtshaustag.

Neben einer guten Maß gab es frische Brezen und Semmeln vom Bäckermeister. So wurden Brezen bis in die 50er Jahre auf dem Land nur Sonntags gebacken. Für diese Zeit wahrlich ein Luxus. Das Brot und die Semmel wurden in den 20er Jahren von Brotweibern „hausiert“. Entlegene Höfe und kleine Ortschaften der Umgebung zählten zu diesem kargen Broterwerb. Später wurde mit dem Fahrrad in Krämereien Brot und Semmeln geliefert. Schlechte Strassen und missliche Witterung lassen verstehen, dass diese Zustellung oft zu Tagesreisen wurden.

Mehlumtausch, Backlohn sind für die heutige Computergeneration mit allen Möglichkeiten Wörter einer anderen Welt. Die Bauern ließen das Korn vom Müller mahlen, das Mehl konnte vom Bäcker nach Bedarf abgeholt werden. Die Verrechnung erfolgte pro einem Pfund Brot mit einem Pfund Mehl plus Backlohn je nach Zeit z. B. 5 Pfennige (um das Jahr 1920).

Das hier kein Reichtum erzielt werden konnte kann man an 5 Fingern abzählen. Die Arbeitsweise war einfach und doch körperlich schwer. Das „andampfeln“ des Sauerteigs, die Beschaffung des Holzes und der Kohlen gehörten zur täglichen Arbeit. Erst um 1950 kamen teilautomatische Maschinen zum Einsatz. Ab 1960 kam ein kontinuierlicher Aufschwung vom Angebot, sowie maschineller Technik in der Backstube zum Einsatz. Ölbeheizte Etagenöfen, Kälteanlagen, Knetmaschinen, Teigausroller.

Das Brotausfahren war bei uns sehr ausgeprägt. Ab den 60 Jahren wurde mit dem Auto jeden Tag, auch Samstags in alle Richtungen von Haus zu Haus geliefert.

Nette Begebenheiten, z. B. die Freude der oft einsamen, alten Leute oder die Neugier mancher was sich im Ort tat. Oft wurden aber wir überrascht über Neuigkeiten und Mitteilungsbedürfnisse.

Die grossen Höfe mit Knechten und Mägden, mit Kindsmädl, Gänshüter und Kuhhüter waren gute Abnehmer vom Bäckerbrot, Semmeln und damals selten Gebäck.

Oft wurden auch Zucker, Salz, Fett, Gewürze, Tee, Kaffee mitgeliefert.

Im nachhinein war diese Tätigkeit ein grosser Menschenkenntniskurs und sehr wertvoll.

Hier noch einige Eckdaten unserer Geschichte:

  • Betriebsgründung: seit mind. 1749, seit 1820 in Familienbesitz
  • Betriebsinhaber: Georg Kornprobst
  • Betriebsvorgänger: seit 1820 Ignaz, Simon, Georg, Georg Kornprobst
  • Zahl der Mitarbeiter: 35
  • 1972 Bau der Backstube
  • 1973 Einbau von Mehlsilos
  • 1988 Ausbau der Bäckerei – Konditorei wurde ausgelagert, neue Lagerräume
  • 1995 Neubau Edeka-Aktiv Markt mit Nebenräumen
  • Ort: Hilgertshausen, Reichertshausen, Dachau, Schwabhausen, Schiltberg

Verfasst von Georg Kornprobst sen.